Manche Nächte im Wald beginnen mit der Entscheidung, möglichst wenig mitzunehmen. Kein Zelt, keine Isomatte, kein aufwändiges Camp — nur ein paar Werkzeuge, etwas Seil und die Idee, mir ein Bushcraft-Bett direkt in den Hang zu bauen. Genau das war der Plan für diese Solo-Übernachtung.

Die richtige Stelle finden#


Das Gelände, das ich mir ausgesucht hatte, war alles andere als eben. Ein mäßig steiler Hang, Mischwald, überall Totholz. Nicht der naheliegendste Ort zum Übernachten, aber genau darum ging es. Ich wollte etwas ausprobieren, das ich in einem Video von Rocco Hartwig gesehen hatte — ein erhöhtes Holzbettgestell, gebaut direkt auf unebenem Boden. Wenn die Konstruktion stabil genug wäre, würde die Schräge keine Rolle spielen.
Ich stellte meinen Savotta Jäger M am Fuß einer Buche ab und begann, nach passenden Stämmen zu suchen. Der Rucksack hatte alles Nötige ohne Murren getragen — einer dieser Rucksäcke, die einfach funktionieren, Tour für Tour. Mit meinen Helikon-Tex Woodcrafter Handschuhen an den Händen sammelte ich geeignete Totholzstücke für den Rahmen.
Das Bettgestell bauen#

Die Konstruktion selbst war überschaubar, brauchte aber etwas Geduld. Für die grobe Holzbearbeitung kam das Terävä Skrama 240 zum Einsatz — dickere Stämme spalten, Flächen glätten, Kerben schnitzen. Dieses Messer ist ein echtes Arbeitstier. Zum Ablängen der Stämme wechselte ich zur Silky Gomboy Outback 240, die sich durch grünes und totes Holz gleichermaßen problemlos fraß.
Das Grundprinzip: Zwei längere Stämme parallel zum Hang, gestützt von kürzeren Querhölzern, die auf der Talseite in den Boden getrieben wurden — so entstand eine ebene Plattform. Alle Verbindungen habe ich mit Paracord 550 fest zusammengebunden, jede Kreuzung sauber umwickelt. Auf den fertigen Rahmen legte ich dann dünnere Äste dicht nebeneinander — möglichst gleiche Stärke — und erhielt eine erstaunlich ebene Liegefläche. Eine dicke Schicht aus Laub und Moos obendrauf sorgte für die letzte Polsterung.


Der gesamte Bau hat vielleicht anderthalb Stunden gedauert. Kein Hetzen, kein Stress. Einfach ruhige Arbeit im Wald, das Geräusch der Säge und ab und zu ein Knacken beim Spalten.
Einrichten für die Nacht#
Mit dem fertigen Bett gab es nicht mehr viel zu tun. Ich setzte mich auf den Rand meiner neuen Konstruktion, aß eine Kleinigkeit und schaute zu, wie sich das Licht zwischen den Bäumen veränderte. Die Helikon-Tex Alpha Tactical Grid Fleecejacke hielt mich warm genug, als die Temperatur sank — über der Icebreaker 200 Oasis Hose war ich angenehm gekleidet, ohne zu viel anzuhaben.

Als es Zeit zum Schlafen war, wickelte ich mich in eine Schweizer Armeedecke und streckte mich auf dem Bett aus. Ehrlich gesagt war ich nicht sicher, was mich erwartet. Ein Holzgestell am Hang, eine Wolldecke, kein Schlafsack — das hätte auch schiefgehen können. Aber das Bett hielt perfekt, die Fläche war eben, und die Wolldecke speicherte genug Wärme, um mich problemlos durch die Nacht zu bringen.
Ich habe überraschend gut geschlafen. Der Wald war still, nur ab und zu ein Rascheln im Unterholz. Aufwachen im grauen Morgenlicht, immer noch warm unter der Decke — das fühlte sich an wie ein kleiner Sieg. Keine aufwändige Ausrüstung, kein großes Camp — nur ein solides Bett, das ich mit meinen eigenen Händen gebaut hatte.
Morgens und sauber hinterlassen#
Ich packte früh zusammen. Das Paracord kam zurück in den Rucksack, die Äste und das Laub verteilte ich wieder. Nach ein paar Minuten hätte man kaum noch erkennen können, dass hier jemand übernachtet hatte. Leave No Trace ist mir wichtig, gerade bei solchen Bauprojekten, wo man direkt mit dem Waldboden arbeitet.
Auf dem Rückweg in meinen Lowa Renegade GTX Mid, den Rucksack auf dem Rücken, dachte ich schon an die nächste Übernachtung. Es hat etwas zutiefst Befriedigendes, eine Nacht draußen mit fast nichts zu verbringen — und festzustellen, dass fast nichts eigentlich völlig ausreicht.

